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Sarajevo in der Zeit der Kriege

Sarajevo in der Zeit der Kriege

Seit der Gründung in der Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich Sarajevo zu einem komplizierten städtischen Organismus. Historisch gesehen spielte Sarajevo eine große Rolle nicht nur in Bosnien und der Herzegowina, sondern auch gegenüber allen Ländern auf dem Balkan und zu anderen Kontinenten. Zu einem Teil der Weltgeschichte wurde Sarajevo durch einen terroristischen Akt, der die ganze Welt erschütterte und der Anlass zum Ersten Weltkrieg wurde.
Am 28.06.1914 wurde das Attentat auf den österreichischen Herzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie unternommen. Gavrilo Princip, ein Anhänger der nationalistischen serbischen Jugendgruppe, tötete beide. Schon in den ersten Tagen nach dem Kriegsausbruch kamen für Sarajevo und das ganze Land schwere Zeiten. Princip wurde mit anderen am Attentat Beteiligten verhört und schließlich zu 20 Jahren Haft verurteilt. Als Minderjähriger konnte er nicht zum Tode verurteilt werden. Während der Kriegszeit fand in Sarajevo kein politisches Leben bis zum Sommer 1918 statt. Da wurde es sicher wurde, dass Österreich-Ungarn den Krieg verlieren würde. Die Mehrheit der südslawischen Völker stimmte für die Gründung eines einheitlichen jugoslawischen Staates. Am 01.12.1918 wurde Sarajevo ein Teil dieses Staates.

Damals hatte die Stadt 66.317 Einwohner, davon waren 22.476 Muslime, 16.317 orthodoxe Christen, 19.272 Katholiken, 7.458 Juden und 470 evangelische Christen. Während des Zweiten Weltkrieges (1942 - 1945) war Sarajevo eines der Zentren der illegalen kommunistischen Volksbefreiungsbewegung. Während des Krieges erlitt die Stadt einen hohen materiellen Schaden. Nach der Befreiung im Jahre 1945 wird Sarajevo die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Nach der Sitzung des Volksrates beginnt die wirtschaftliche, demokratische und urbane Entwicklung der Stadt. Die Einwohnerzahl nimmt ständig zu. Die Bacarsija, der Kern der Altstadt, wird während der Stadtentwicklung zum Teil zerstört, aber der größte Teil bleibt erhalten. Er trägt heute noch die Spuren der osmanischen Kultur und deren Tradition in BosnienHerzegowina. Die bebaute Stadtzone erweiterte sich immer mehr und verschiedene Stilrichtungen treffen aufeinander. Heute stellt Sarajevo ein Ganzes dar, zusammengesetzt aus Gebäuden der osmanischen Zeit, der österreichischen Herrschaft, des Königreichs Jugoslawien bis hin zum Baustil der sozialistischen Realismus. Hinzu kommen moderne Bauten der Gegenwart.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele großen Unternehmen gegründet: Elektroprivreda, Unioninvest, Energoinvest.
Die Stadt wurde Sitz der Universität mit allen Fakultäten. Es wurden Studenten- und Kinderheime gebaut, Krankenhäuser, viele Wohnhäuser und Sportstätten. Der größte Teil der Stadt wurde in der Zeit der XIV. olympischen Winterspielen ausgebaut.
Diese Spiele fanden im Februar 1984 statt. Im Zentrum dieser Spiele standen die Gebirge des Trebevic, Jahorina, Bjelasnica. Der größte Teil der olympischen Projekte und Hotels wurden während der Aggression auf Bosnien-Herzegowina, also in der Zeit von 1992-1996 zerstört. Im Augenblick wird der Wiederaufbauprozess von Sarajevo intensiv durchgeführt und das Komplex ,,Zetra" ist wieder erstanden. Die Stadt hat heute ungefähr 350.000 Einwohner und sie liegt an der Miljcka, umgeben von Bergen.

Seit dem April 1992 wurde die Stadt belagert und um die ganze Stadt ein Blockade errichtet. Die Stadt wurde mehr als drei Jahre lang von Bergen herab mit Artillerie beschossen und war einer systematischen Zerstörung durch den serbischen Aggressor ausgesetzt. Darunter litt am meisten die Zivilbevölkerung. Man hatte kein Wasser und keinen Strom, die Kommunikations- verbindungen mit der Außenwelt waren unterbunden. Die Basis zum Leben fehlte ganz. Trotz dieser Lage versuchten die Einwohner und die Menschen von ganz Bosnien-Herzegowina zu überleben. Die Kinder besuchten die Schulen weiter, die männlichen Erwachsenen gingen zur Front, andere zur Arbeit.

Seit April 1992 bis zur Unterzeichnung des Dayton-Abkommens wurden in der Stadt 10.514 Menschen getötet, oder sie starben an Hunger und Kälte. Allein 1.598 Kinder fanden den Tod. In der Stadt gibt es kriegsbedingt 1.741 Behinderte, darunter allein 356 Kinder.